Die 10-jährige Leonie erzählt von Ihrem Besuch in Sri Lanka und den nestwärme-Projekten
Foto: Leonie und Petra Moske |
Auch die Presse ist von
Leonies Tagebuch begeistert!
Hier nur ein Link zum Stern, der wie viele andere Zeitschriften darüber berichtet hat
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Foto: Leonie in einer Schulklasse |
Leonies Tagebuch
"Sri Lanka ein Jahr nach dem Tsunami"
Hallo, ich bin
Leonie und ich habe mit meinem Papa in den Herbstferien meine Mama und ihre Freundin Ursula (die macht so tolle Fotos und ist ganz berühmt) begleitet, die sich seit dem Tsunami-Unglück mit dem Verein „nestwärme e.V. Deutschland“ in Sri Lanka um behinderte Mädchen an zwei verschiedenen Orten kümmern.
Als im letzten Jahr das Unglück war, habe ich die schrecklichen Bilder im Fernsehen gesehen und das war ganz, ganz schlimm, weil so viele Menschen dabei umkamen. Mit meiner Freundin Gianna habe ich dann an Weihnachten auch von unserem Weihnachtsgeld was gespendet. Das haben wir dann noch mal gemacht, als meine Mama mir erzählt hat, dass sie sich mit nestwärme, einem Verein, der sich in Deutschland um chronisch kranke und behinderte Kinder und deren Familien kümmert und sich nun auch in Sri Lanka um behinderte Kinder kümmert, die bei dem Tsunami ihr Haus und ihre Familien verloren haben.
Foto: Leonie sieht, wie manche Menschen leben |
In dem einen Projekt sollen die behinderten Mädchen ein neues Zuhause bekommen und in dem anderen Projekt gibt nestwärme jedes Jahr Geld, damit 12 behinderte Waisenkinder ein neues Zuhause haben, weil die Familien der Kinder durch den Tsunami alles verloren haben.
Wir, also meine Familie, Ursula und ich sind 10 Stunden mit dem Flugzeug nach Sri Lanka in die Hauptstadt Colombo geflogen. Yinderaz unser Fahrer und Begleiter für die nächsten Tage stand am Flughafen um uns abzuholen.
Als wir durch die Strassen gefahren sind, traute ich meinen Augen nicht.
Ich sah lauter fast zerfallene Häuser, Bretterbuden und Hunde, Katzen und Raben die im Müll nach Resten von essbaren Sachen suchten. Und der Straßenverkehr war so schlimm, dass ich ein bisschen Angst hatte. Überall hörte ich nur hupende Autos, Menschen die über die Strassen liefen, keine Bürgersteige, das hat ganz schön genervt. Immer wenn sie überholen wollten hupten sie und das ständig. Außerdem haben die Autos keine Anschnallgurte.
Foto: Leonie mit Father Glenn |
Endlich kamen wir im Hotel an und haben was gegessen.
Nun, wollt ihr was über das Essen wissen? Nun ja, das Essen ist ganz mächtig scharf. Es gibt viel Nudeln, Reis Ananas, Papayas, Mangos und Kokosnüsse.
Die meisten Menschen hier in Sri Lanka, die die Früchte verkaufen sind sehr, sehr arm. Aber es gibt auch sehr reiche Leute in Sri Lanka.
Dann sind wir zu Father Glen gefahren, das ist ein Pater der sich in Sri Lanka vor allem um Lebprakranke kümmert. Aber auch andere die Hilfe brauchen wenden sich an ihn. So auch Schwester Rose Marina aus Gonapinuwala, die wir später noch intensiver kennenlernen. Er wohnt in Colombo und hat einen schönen Garten und einen süssen weissen Hund, der sieht aus wie ein Spitz. Er wohnt in einem ganz kleinen Haus und hat nur 1 Zimmer, eine Toilette und eine Dusche. Er hilft nestwärme bei der Vermittlung zu den Projekten und gibt Ratschläge.
Foto: Leonie beim Vetrteilen der Gehwagen |
Nun fahren wir nach dem 1 stündigen Besuch weiter und meine Mama und Ursula müssen noch einiges organisieren, und wir begleiten sie.
Es müssen noch Rollstühle für die Kinder besorgt werden, etc.
Gegen Mittag konnten wir endlich zu dem Projekt fahren, um dass sich meine Mama kümmert. Es heißt St. Theresa`s Home for disabled Girls. Ein Heim für behinderte Mädchen die kein zu Hause haben, deren Eltern tot sind oder sich nicht um ihre behinderten Kinder kümmern können.
Foto: Ein original Tuck-Tuck |
Die Fahrt dorthin dauerte ungefähr 2 Stunden. Man kommt in Sri Lanka nur ganz schwer voran, weil alles so eng ist auf den Straßen und Autos, Busse, Fahrräder, Mopeds, Tuck-Tucks, Lkws sich die enge Straße teilen.
Tuck-Tucks sind übrigens Motorräder auf drei Rädern mit einem Dach drüber, die als Taxi dienen. Dann fing es auf dem Weg nach Kalutara noch ganz schlimm an zu regnen und die Strassen waren überschwemmt.
Foto: Nur noch eine Hauswand steht |
Als wir dann in St. Theresa`s Home für behinderte Mädchen ankamen, stand vor lauter Regen der ganze Hof unter Wasser.
Dann lernte ich die vielen behinderten Mädchen kennen und als ich sah wo die leben müssen da war ich ganz traurig. Die meisten Mädchen lagen auf dem Boden, weil sie kein eigenes Bett hatten. Sie leben mit über 25 Personen in einem Raum. Es hat auch ganz schlimm in dem Raum gerochen, dass mir fast schlecht wurde und dann war es so heiss und so schwül. Die 2 Toiletten sahen ganz schrecklich aus. Aber, alle waren so fröhlich und haben uns angelacht und sich gefreut, dass wir sie besucht haben. Ich habe dann die Geschenke verteilt die meine Mama für die Kinder mitgebracht hat und alle waren glücklich. Auch neue Rollstühle und neue Gehwägen haben wir verteilt und zwei Mädchen können jetzt viel besser damit laufen, als vorher. Ich fand auch ganz schlimm, dass die behinderten Mädchen den ganzen Tag nur sitzen oder liegen und dass niemand kommt, der mit Ihnen spielt, spricht, Übungen macht oder vorliest. Was mir gut gefallen hat, waren rosa Mückennetze die über manchen Bettchen hingen.
Foto: Leonie vor einem zerstörtem Haus |
Heute morgen bin ich in unserem Hotel ganz nahe am Strand aufgewacht und ich hatte ein bisschen Angst, dass wieder so eine Welle kommt, ich habe immer auf das Meer geguckt.
Ursula hat mir gestern erzählt, dass wenn ein Tsunami kommt, es erst ganz ganz still wird, weil das Meer sich zurückzieht und wenn das so ist, dann muss man ganz schnell weglaufen. Und die Leute hier haben erzählt, dass an dem Morgen, als der Tsunami kam, alle Hunde der Insel ganz laut gebellt hätten, aber niemand hat darauf reagiert. Dabei gibt es so viele Hunde und das muss richtig laut gewesen sein.
Yinderaz, und wir haben uns auf den Weg gemacht zu dem andren Projekt an der Südküste entlang Richtung Galle. Jetzt kann ich zum ersten Mal sehen, was das Wasser hier angerichtet hat. Viele Häuser am Meer und ein Einige sogar im Land sind zerstört. Bei manchen Häusern kann man nur noch an den Bodenplatten erkennen, dass da mal ein Haus war.
Die Strasse auf der wir jetzt nach Galle fahren ist wieder ganz schmal und hat überhaupt keine Bürgersteige. Direkt an der Strasse stehen die Häuser und es ist gerade mal Platz für 2 Autos. Doch alle benutzen die Strasse, Fussgänger, Tiere, Radfahrer, Mopeds. Autos, Busse Hunde, Katzen teilen sich die Strasse und ich bin überrascht, dass hier kein Unfall passiert
Plötzlich musste unser Fahrer ganz scharf bremsen, weil ein Leguan auf der Strasse rüber wollte.
Foto: Leonie vor dem verunglückten Zug |
Je weiter wir die Strasse in den Süden fahren umso mehr zerstörte Häuser sehen wir. In dem Ort Peralya hat der Tsunami einen Zug umgeworfen in dem über 1.300 Menschen ums Leben kamen. Die Menschen wollten ihre Kinder retten und setzten sie auf den überfüllten Zug. Die nächste Welle hat ihn dann umgeworfen und mitgenommen und dann sind fast alle ertrunken.
Als ich den Zug sah war ich ganz entsetzt, er war total zerdellt und zerstört.
Die Leute die dort wohnen und deren Häuser alle zerstört sind, kamen betteln teilweise auch mit ihren Kindern. Die Tsunamiwelle hat hier alles zerstört und es sieht aus wie im Fernsehen. Die Leute betteln und wollen immer Geld haben und sagen sie wollen Geld für ihre Kinder.
Der Zug fuhr mitten durch den Ort durch und direkt an den Gleisen lebten die Menschen. Wir haben auch Kinder gesehen, die aus der Schule kamen und die hatten Schuluniformen an. Ich habe dann eine Schule besucht. Die mit Holzbrettern wieder aufgebaut wurde. So viele Kinder in einem Klassenzimmer. Ich habe gesehen, dass an einem Tisch manchmal 4 Kinder zusammen sitzen. Das würde es bei uns nicht geben. Das Blechdach hatte ganz viele Löcher und wenn es regnet, da werden die Kinder ganz doll nass. Die Kinder hatten gerade Englischunterricht.
Foto: Das neue Warnschild, wenn die Welle wieder kommt. |
Wir haben uns auch ein Haus angeguckt was wieder aufgebaut wurde von einer Deutschen Hilfsorganisation. Die Menschen haben alles verloren. Es gab keine Betten in dem Haus, nur Matratzen und die waren ganz dreckig. aber der Vorgarten war sehr schön geschmückt mit Orchideen.
Dann fing es wieder an zu regnen und ich muss dran denken dass hier viele Menschen keine Häuser haben. Auf der Fahrt weiter in den Süden sehe ich mehr zerstörte Häuser und viele Leute müssen noch immer in Zelten leben oder in kleinen Holzhütten, die kein richtiges Dach haben und keine Fenster manchmal sind die mit Plastikplanen umwickelt gegen den Regen.
Irgendwie denke ich dass hier noch nicht viel gemacht wurde und das kann ich gar nicht verstehen.
Wir haben einen Mann besucht der lebt in der Nähe von Hikkaduwa an der Strasse in einer ganz kleinen Holzhütte und er hat uns gezeigt was der Tsunami mit seinem Haus gemacht hat. Alle Mauern waren weg, nur noch die halbe Wand von der ehemaligen Küche stand. Er hat auch erzählt, dass seine 3 Kinder bei dem Tsunami umgekommen sind. Er hat uns an das Grab seiner Kinder geführt, das direkt neben seinem zerstörten Zuhause war.
Der Mann hat gesagt, vor dem Tsunami war sein Leben gut, nach dem Tsunami schrecklich.
Wir sind auch an einem grossen Friedhof vorbeigekommen wo ganz viele Gräber waren, unterwegs habe ich auch immer an der Strasse ganz viele Gräber zwischen den zerstörten Häusern gesehen.
Jetzt wo ich das alles selbst sehe und mit dem Einheimischen Kontakt habe finde ich das alles noch viel, viel schlimmer und es tut mir so leid.
Von den Erwachsenen habe ich gehört, dass hier in Sri Lanka bald Wahlen sind und dass es ein Politiker gibt, der jetzt Premierminister ist, und alle Leute mit denen wir gesprochen haben sagen, dass der Mann nicht gut mit dem Geld umgeht und deshalb noch so wenige Menschen wieder neue Häuser haben.
In meinem Herzchen bin ich sehr traurig und wenn ich viel Geld hätte würde ich den Leuten versuchen neue Häuser zu bauen.
Wir waren schon auf der Rückfahrt nach Kalutara, als meine Mama in Höhe Peralyia ein Schild entdeckten dass wir uns unbedingt ansehen mussten. Es zeigte eine grosse Welle und darunter war ein kleiner Mann zu sehen und ein Pfeil, der ins Landesinnere zeigte. Dies ist also das neue Warnschild für die Menschen, falls eine neue Tsunami Welle kommt, komisch….ich glaube dass die Leute wissen, dass Sie ins Landesinnere müssen, falls eine Welle kommt.
Ich weiss jetzt dass ich ein ganz schönes Leben habe und ich bin glücklich dass ich in Deutschland lebe.
Und ich will wenn ich wieder zu Hause bin meine Spielsachen zusammensuchen, um sie dann den Kindern zu schenken und ich will aus einer Blechdose eine Spendendose basteln die so schön aussieht, dass meine Freunde dort viel Geld hineintun, damit wir das für Sri Lanka und die behinderten Mädchen spenden können.
Auszüge aus dem Tagebuch von Leonie Moske/Trier
Im November 2005
Weiterführender Link:
www.leonie-moske.de


















